Kognitive und emotionale Störungen
Umfassende Diagnostik und Behandlung
Kognitive und emotionale Störungen stellen eine häufige Folge von Erkrankungen oder Verletzungen des Nervensystems dar. Beispiele für solche Störungen sind Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses, der Handlungsplanung und -organisation oder Störungen der visuellen Wahrnehmung und räumlichen Orientierung.
Auch Verhaltens- und Wesensänderungen können im Zusammenhang mit einer neurologischen Erkrankung auftreten. Sie können den Alltag sowie die schulische und berufliche Situation der Patienten erheblich beeinträchtigen. In der St. Mauritius Therapieklinik wird das gesamte Spektrum neuropsychologischer Beeinträchtigungen behandelt. Für Patienten der Neurologie, Geriatrie und Neuropädiatrie stehen jeweils spezifische diagnostische und therapeutische Verfahren zur Verfügung.
Schwerpunkte der Neuropsychologie
In der Neurologie und Geriatrie liegen die Schwerpunkte unserer neuropsychologischen Abteilung in der Diagnostik und Behandlung von Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen, halbseitigen Vernachlässigungsphänomenen (Neglect), kognitiv-motorischen Störungen der Bewegungsausführung (Apraxie) und zentralen visuellen Wahrnehmungsstörungen. Im Bereich der Diagnostik verfügt die Abteilung neben den Standardtestverfahren zusätzlich über die Möglichkeiten der computerisierten Gesichtsfelduntersuchung (Computerperimetrie) und der Fahreignungsuntersuchung einschließlich praktischer Fahrerprobung unter Anleitung eines Fahrlehrers.
Spezifische neuropsychologische Verfahren
Therapeutisch werden in der Klinik spezifische neuropsychologische Verfahren eingesetzt. Das Sakkaden- und Explorationstraining ist eine effektive Maßnahme bei der Behandlung von Gesichtsfeldausfällen und Neglect. Hier werden mit den Patienten am Bildschirm systematisch Augenbewegungen und Suchstrategien geübt, mit denen die Wahrnehmung von Reizen im betroffenen Seh- bzw. Aufmerksamkeitsbereich verbessert wird. Durch den Erwerb dieser Strategien können beispielsweise auch Leseprobleme, die durch Gesichtsfeldausfälle bedingt sind, kompensiert werden.
Zur Behandlung des Neglect kommen unter anderem die transcutane elektrische Nervenstimulation (TENS) und die optokinetische Stimulation zum Einsatz. Bei der transcutanen elektrischen Nervenstimulation wird die Nackenmuskulatur der vernachlässigten Körperhälfte durch einen schwachen Strom gereizt. Bei der optokinetischen Stimulation verfolgen die Patienten Lichtreize von der gesunden in die vernachlässigte Seite. Auf diese Weise wird die Aufmerksamkeitszuwendung für Reize auf dieser Seite verstärkt.
Für Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- und Planungsstörungen stehen neben spezifischen Gruppenangeboten computergestützte Trainingsverfahren zur Verfügung. Die Programme sind sowohl von den Bedienmöglichkeiten als auch von den Leistungsanforderungen her auf Patienten mit neurologischen Erkrankungen abgestimmt. Die Möglichkeit zur idealen Anpassung an den individuellen Leistungsstand des Patienten erlaubt eine kontinuierliche, kontrollierte Leistungsentwicklung.
Das Angebot umfasst zudem Entspannungstraining (Autogenes Training, progressive Muskelrelaxation) und soziales Kompetenztraining. Die Therapien erfolgen in Einzel- oder Gruppensitzungen. Die Gruppentherapien bieten für die Patienten u. a. die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen über gemeinsame Schwierigkeiten auszutauschen und für Probleme gemeinschaftlich Lösungsansätze zu erarbeiten. Über spezifische Trainings hinaus erhalten die Patienten und Angehörigen Beratungsangebote, z. B. bei Fragen der beruflichen Wiedereingliederung und Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung.
Im Bereich der Geriatrie leistet die Neuropsychologie zusätzlich einen wichtigen Beitrag bei der Diagnostik kognitiver Beeinträchtigungen, die im Rahmen internistischer Erkrankungen auftreten könnnen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Diagnostik bzw. dem Ausschluss von dementiellen Entwicklungen sowie deren Abgrenzung zu anderen Störungsbildern, wie z. B. der Altersdepression oder deliranten Zuständen (z. B. nach Operationen).
Die Neuropädiatrie ist auf eine neuropsychologisch orientierte Diagnostik und Therapie von Entwicklungs-, Lern- und Verhaltensstörungen nach Hirnschädigungen im Kindesalter spezialisiert. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen und Heilpädagoginnen sowie der Schule für Kranke im Haus. Neben den alters- und störungsabhängigen Therapien werden Empfehlungen für die weitere Förderung der Kinder und Jugendlichen erarbeitet. Sie erhalten Unterstützung bei seelischen Problemen in Folge einer Erkrankung oder Behinderung. Die Einbeziehung der Eltern in allen Phasen des Aufenthaltes ist wichtiger Bestandteil der Therapie.
Die neuropsychologischen Therapien orientieren sich soweit wie möglich an wissenschaftlich abgesicherten, effektiven Methoden. In Kooperation mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf werden neue Verfahren bezüglich ihrer Wirksamkeit evaluiert und Behandlungsansätze optimiert.
Neuropsychologie – Unser Leistungsspektrum
- Neuropsychologische Leistungstests für alle Altersgruppen
- Beurteilung der kognitiven Voraussetzungen bezüglich Berufsfähigkeit, Betreuungsbedürftigkeit und Geschäftsfähigkeit
- Untersuchung der Fahrtauglichkeit einschließlich praktischer Fahrerprobung
- Demenzdiagnostik
- Abklärung von Entwicklungs-, Lern- und Verhaltensstörungen bei Kindern
- Neuropsychologische Einzeltherapie
- Neuropsychologische Gruppentherapien
- Computergestütztes Training
- Sakkaden-, Explorations- und Lesetraining bei Gesichtsfelddefekten
- Neglecttherapie mittels optokinetischer Stimulation, Explorationstraining und transcutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
- Entspannungstraining (Autogenes Training, progressive Muskelrelaxation)
- Soziales Kompetenztraining
- Beratung und Behandlung bei Problemen in der Bewältigung der Krankheit und ihren Folgen
- Beratung hinsichtlich schulischer und beruflicher Wiedereingliederung
- Angehörigenberatung
Weitere Informationen:
„Mein Rollstuhl ist ein Einrad“ Therapie des Hemi-Neglect-Syndroms nach Schlaganfall in der St. Mauritius Therapieklinik [PDF]
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